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Ratgeber / Statik & Sicherheit

Schneelast beim Carport: Warum 250 kg/m² im Alpenraum kein Luxus sind

Jeden Winter geben irgendwo in Österreich Carportdächer unter nassem Schnee nach — fast immer trifft es knapp dimensionierte Bausätze. Dieser Artikel erklärt, was Schneelast wirklich bedeutet, wie sie in Österreich berechnet wird und warum wir unsere Carports konsequent für 250 kg/m² auslegen.

ALC Metalltechnik GmbH — Metallbau-Meisterbetrieb · Stand 08/2026 · Aktualisiert am

Das Wichtigste in Kürze: Nasser Schnee wiegt bis zu 500 kg/m³ — eine halbmeterhohe Nassschneedecke belastet jeden Quadratmeter Dach mit rund 200 kg. Viele Import-Carports sind nur für 80–120 kg/m² ausgelegt und damit für Kärnten, die Obersteiermark und andere Alpenlagen unterdimensioniert. Unsere Carports tragen geprüfte 250 kg/m² — auf einem Doppelcarport sind das über 8,5 Tonnen.

Was bedeutet Schneelast überhaupt?

Die Schneelast beschreibt das Gewicht der Schneedecke, das ein Dach pro Quadratmeter tragen können muss. In den Normen wird sie in Kilonewton pro Quadratmeter (kN/m²) angegeben; für die Vorstellung reicht die Faustregel: 1 kN/m² entspricht rund 100 kg pro Quadratmeter. Ein Wert von 250 kg/m² heißt also: Auf jedem Quadratmeter Dachfläche dürfen dauerhaft 250 kg Schnee liegen, ohne dass die Konstruktion an ihre Grenzen kommt.

Entscheidend ist dabei nicht die Schneehöhe, sondern die Dichte. Frischer Pulverschnee ist leicht, aber Schnee setzt sich, nimmt Wasser auf und wird schwer:

Pulverschnee, frischca. 30–100 kg/m³
Altschnee, gesetztca. 200–400 kg/m³
Nassschneeca. 300–500 kg/m³
Eisca. 900 kg/m³

Der gefährlichste Fall ist ein Warmlufteinbruch mit Regen auf eine bestehende Schneedecke: Der Schnee saugt sich voll wie ein Schwamm, das Gewicht steigt binnen Stunden — genau die Wetterlage, die in Südösterreich im Spätwinter regelmäßig vorkommt.

Rechenbeispiel: Nassschnee auf dem Doppelcarport

Nehmen wir ein Doppelcarport mit 5,60 × 6,15 m, also rund 34 m² Dachfläche, nach einem feuchten Starkschneeereignis mit 50 cm Nassschnee (400 kg/m³):

  • 0,5 m Schneehöhe × 400 kg/m³ = 200 kg auf jedem Quadratmeter,
  • 200 kg/m² × 34 m² Dachfläche = rund 6,9 Tonnen Gesamtlast — das Gewicht von fünf Mittelklasse-Pkw,
  • ein für 100 kg/m² ausgelegtes Dach wäre hier mit dem Doppelten seiner zulässigen Last belastet — ein für 250 kg/m² ausgelegtes trägt die Situation mit Reserve.

Diese Rechnung ist kein konstruiertes Extremszenario, sondern ein Winter, wie ihn Kärntner Tallagen alle paar Jahre erleben — man denke an die Schneedruck-Winter, die in Oberkärnten ganze Wälder gezeichnet haben.

Wie Österreich die Schneelast berechnet

Grundlage ist der Eurocode 1 mit dem österreichischen Anwendungsdokument ÖNORM B 1991-1-3. Früher arbeitete Österreich mit groben Schneelastzonen; seit der Ausgabe 2022 wird die charakteristische Schneelast standortgenau ermittelt — auf Basis eines feinen Rasters, abrufbar über die öffentliche Naturgefahren-Plattform HORA. Zwei Nachbarorte können dadurch spürbar unterschiedliche Werte haben, je nach Seehöhe und Lage.

Für Kärnten liegen die standortbezogenen Werte überwiegend im Bereich von etwa 1 bis über 4 kN/m² — also rund 100 bis über 400 kg/m², in exponierten Berglagen noch deutlich darüber. Auch weite Teile der Steiermark, besonders die Obersteiermark, liegen klar über dem, was ein Flachland-Bausatz trägt. (Stand 08/2026, ohne Gewähr — verbindliche Werte nennt Ihnen die Baubehörde oder ein Statiker.)

Warum Import-Carports im Alpenraum versagen

Viele günstige Carport-Bausätze aus dem Baumarkt oder Online-Handel werden für den mitteleuropäischen Massenmarkt dimensioniert — typisch sind 80 bis 120 kg/m². Das genügt für norddeutsches Flachland, nicht aber für ein Seitental in Kärnten oder eine Hanglage bei Leoben. Die Schwachstellen sind immer dieselben:

  • Zu schlanke Profile und Sparren, ausgelegt auf den Preis, nicht auf die Last,
  • Verbindungen als Sollbruchstellen: Schrauben und Steckverbinder versagen vor dem Profil,
  • keine Reserve für Schneesäcke — an Wänden und Verwehungen sammelt sich lokal ein Mehrfaches der mittleren Last,
  • keine standortbezogene Statik: Der gleiche Bausatz wird für Rostock wie für Bad Kleinkirchheim verkauft.

Die Folgen reichen von bleibender Verformung bis zum Totaleinsturz — und im Schadensfall stellt sich schnell die Frage, ob ein erkennbar unterdimensioniertes Bauwerk überhaupt versichert war. Billig gekauft ist hier im Wortsinn doppelt gekauft. Was ein solide dimensioniertes Carport tatsächlich kostet, zeigt transparent unser Kosten-Ratgeber.

Was 250 kg/m² bei uns konkret heißt

Unsere Carports werden im Werk Völkermarkt aus Stahl S235 JRH gefertigt, in Kärnten feuerverzinkt und auf eine Schneelast von 250 kg/m² ausgelegt — vom Rahmenprofil über das Trapezblech 85/280 bis zu jeder Schraubverbindung. Das deckt die standortbezogenen Anforderungen der meisten Wohnlagen in Kärnten und der Steiermark mit Reserve ab. Für extreme Berglagen mit höheren Normwerten planen wir individuell — sprechen Sie uns über Carport nach Maß an.

Den Unterschied sieht man übrigens auch: Referenzprojekte aus ganz Kärnten und der Steiermark zeigen wir unter Referenzen.

Hinweis: Normwerte und Berechnungsverfahren geben wir vereinfacht wieder (Stand 08/2026, ohne Gewähr). Maßgeblich für Ihr Bauvorhaben sind die ÖNORM in der geltenden Fassung sowie die Auskunft von Baubehörde bzw. Statiker.

Häufige Fragen zur Schneelast

Wie viel Schneelast muss ein Carport in Österreich aushalten?

Das hängt vom Standort ab: Die maßgebliche Schneelast wird nach ÖNORM B 1991-1-3 (Eurocode 1) standortgenau ermittelt. Im Alpenraum — etwa in vielen Kärntner und obersteirischen Lagen — liegen die Werte häufig bei 2 kN/m² (rund 200 kg/m²) und deutlich darüber. Ein pauschal für 80–120 kg/m² gebauter Carport ist dort unterdimensioniert.

Was bedeutet 250 kg/m² Schneelast konkret?

Ein Doppelcarport mit rund 34 m² Dachfläche trägt bei 250 kg/m² rechnerisch über 8,5 Tonnen Schnee — das entspricht etwa dem Gewicht von sechs Mittelklasse-Pkw auf dem Dach. Diese Reserve braucht es, weil nasser Frühjahrsschnee ein Vielfaches von Pulverschnee wiegt.

Wie schwer ist Schnee wirklich?

Frischer Pulverschnee wiegt etwa 30–100 kg/m³, gesetzter Altschnee 200–400 kg/m³, nasser Schnee 300–500 kg/m³ und Eis rund 900 kg/m³. Eine halbmeterhohe Nassschneedecke bringt also schnell 200 kg auf jeden Quadratmeter Dach — bei Regen auf Schnee noch mehr.

Reichen 100 kg/m² Schneelast in Kärnten?

In den meisten Kärntner Lagen: nein. Viele importierte Bausatz-Carports sind für 80–120 kg/m² ausgelegt — das passt zu Flachlandstandorten, nicht zu alpinen Tallagen mit nassen, schweren Schneedecken. Wer dort unterdimensioniert baut, riskiert Verformung oder Einsturz und im Schadensfall Diskussionen mit der Versicherung.

Wo finde ich die Schneelast für meinen Standort?

Österreich rechnet seit der ÖNORM B 1991-1-3:2022 standortgenau: Die charakteristische Schneelast lässt sich über die öffentliche Plattform HORA (hora.gv.at) abfragen; verbindliche Auskünfte geben Statiker und Baubehörde. Gerne nennen wir Ihnen die Einordnung für Ihre Postleitzahl.

Muss ich meinen Carport im Winter abschaufeln?

Ein normgerecht dimensionierter Carport muss die Schneelast seines Standorts ohne Abschaufeln tragen. Bei außergewöhnlichen Ereignissen — etwa Regen auf eine mächtige Schneedecke — ist Kontrolle trotzdem sinnvoll. Ein knapp dimensionierter Bausatz-Carport dagegen macht das Abschaufeln zur Pflichtübung.

Quellen & Rechtsgrundlagen

Externe Quellen abgerufen am 23.08.2026. Gesetze jeweils in der konsolidierten Fassung des Rechtsinformationssystems des Bundes (RIS), Normen über Austrian Standards. Angaben ohne Gewähr.

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